An diesem Tag in der Geschichte: 4 Dezember 1926

Am Sonnabend, dem 4. Dezember 1926, wurde in Dessau (Sachsen-Anhalt) das neue Bauhaus, Hochschule für Gestaltung in Anwesenheit von über 1000 Gästen aus ganz Deutschland feierlich eröffnet. Eine Ikone der modernen Architektur, Kunst und Gestaltung, geleitet und in jeder Hinsicht maßgeblich geprägt von dem charismatischen Architekten Walter Gropius. Er hatte das 1919 gegründete Staatliche Bauhaus bereits an seinem ersten Standort Weimar geleitet. Mit dem Erstarken der politischen Rechten in Thüringen seit der Landtagswahl 1924 hatte sich das Bauhaus mit seiner internationalen, politisch eher linken und künstlerisch neusachlichen, modernen Orientierung, für die Künstler wie Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer, Wassilij Kandinsky, Johannes Itten, Laszlo Moholy-Nagy oder Mies van der Rohe standen, in Weimar nicht mehr halten können. Der Bürgermeister von Dessau, Fritz Hesse, und sein Kulturreferent Ludwig Grote ermöglichten Walter Gropius die Verlagerung der Schule nach Dessau, wo das Bauhaus in den Jahren 1925 bis 1926 nach Entwürfen von Gropius neu errichtet und 1926 als Staatliche Hochschule von Anhalt anerkannt wurde.

Hamburger Anzeiger, 7 Dezember 1926, S. 3, „Die Eröffnung des Dessauer Bauhauses“
Hamburger Anzeiger, 7 Dezember 1926, S. 3, „Die Eröffnung des Dessauer Bauhauses“
Zentrum des Bauhauses
Zentrum des Bauhauses

Der Hamburger Anzeiger berichtete am 7. Dezember von der Eröffnungsveranstaltung und zeigte sich beeindruckt von Gropius‘ nüchternen Gestaltungswillen, der „bei größtmöglicher Typisierung größtmögliche Abwechslung“ erreichen wolle.

Auch im Berliner Tageblatt kommentierte Fritz Stahl die Eröffnung am 7. Dezember 1926 sehr positiv.

Berliner Tageblatt, 7.12.1926, Morgenausgabe, S. 2, „Das Bauhaus in Dessau“
Berliner Tageblatt, 7.12.1926, Morgenausgabe, S. 2, „Das Bauhaus in Dessau“

Zentrum des Bauhauses Dessau war das Schulgebäude mit seiner avantgardistischen Glasvorhangfassade.

Auf dieses Gebäude bezog sich die Kultur-Schlagzeile im Hamburger Anzeiger zwei Tage später, 9.12.1926: „Das problematische Glashaus“. Zum Ausdruck kommt die Ambivalenz zwischen Bewunderung für die Radikalität und Stringenz des modernen Bauhausstils  und seines Raumbewusstseins einerseits und einem Unbehagen an einer deutschen „Untugend …: Ueberschätzung der Theorie, der Lehrmeinung, des Weltanschaulichen, des Gesinnungskämpferischen, der Doktrin.“ Auch liefen schon Dessauer Bürgervereine gegen die „undeutsche“ Bauweise Sturm.

Hamburger Anzeiger, 9.12.1926, S. 1, „Das problematische Glashaus“
Hamburger Anzeiger, 9.12.1926, S. 1, „Das problematische Glashaus“

Bewunderung fanden die von Gropius für die Bauhaus-Lehrer konzipierten und von den Bewohnern durchaus unterschiedlich eingerichteten „Meisterhäuser“ wie auch seine 60 Arbeiterhäuser zu Niedrigpreisen in Dessau-Törten mit 70 Quadratmetern Wohnfläche, kompletter Mustereinrichtung samt Küchen als Beispielen für rationelle Wirtschaftsführung.

Meisterhäuser in Dessau
Meisterhäuser in Dessau
Wohnhaus-Siedlung des Bauhauses in Dessau-Törten
Wohnhaus-Siedlung des Bauhauses in Dessau-Tört

 

 

 

 

 

Das Vorbild machte Schule, wie ein Artikel „Hauswirtschaftliches aus dem Bauhaus“ am 3. März 1927 in der Beilage „Für unsere Frauen“ des Hamburger Anzeigers unter dem Leitsatz „Die Frau hat manches nachzuholen“ detailliert zeigte. Darin wird erläutert, wo der durchschnittliche deutsche Haushalt dem Entwicklungstempo moderner Technik und Einrichtung hinterherhinkt. „Die konsequente Arbeit und der vorbildliche Typ, der dort [in Dessau] geschaffen wurde, ist eine Tat und wird – hoffentlich – Schule machen,“ so die Autorin Annette Robody.

Hamburger Anzeiger, 3.3.1927, „Für unsere Frauen“, Nr. 5, S. 1 (insgesamt S. 15 der Zeitungsausgabe)
Hamburger Anzeiger, 3.3.1927, „Für unsere Frauen“, Nr. 5, S. 1 (insgesamt S. 15 der Zeitungsausgabe)

Doch die Geschichte des Bauhauses in Dessau war bereits wenige Jahre später beendet. Mit der Gemeinderatsmehrheit der Nationalsozialisten wurde am 22. August 1932 die Auflösung in Dessau beschlossen. Von Ludwig Mies van der Rohe wurde das Bauhaus noch bis 1933 als Privatinstitut in Berlin-Lankwitz weitergeführt, ehe es dann im Nationalsozialismus dort endgültig schließen musste.

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